5. LindenCon

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Spotlight on: Spielraum Leipzig
Organisiert wird der LindenCon von Mitgliedern des gemeinnützigen Vereins Spielraum Leipzig (http://www.spielraum-le.org). Dieser Verein hat es sich seit der Gründung im Jahre 2005 auf die Fahnen geschrieben, das Rollenspiel in der Messestadt zu fördern. Zum harten Kern der Orga zählen Falk Fiebig, Nana Nehrbaß, Michael Süß, Solveig Tenckhoff, Frank Sauer, Kathleen Horn, Carsten Schmidt und Glen Pakosch. Ein großes Dankeschön geht an diese und alle anderen fleißigen Helfer, die den LindenCon wieder einmal zu einem sehr gelungenen Event gemacht haben.

Vom 22. Bis zum 24. Juni 2007 eröffnete die mittlerweile fünfte LindenCon wieder einmal ihre Pforten. Grund genug für zwei wackere Rollenspieler aus dem hohen Norden unserer Republik, ihre heimischen Gefilde für ein langes Wochenende zu verlassen und den etwa 400 Kilometer weiten Weg nach Leipzig auf sich zu nehmen. Im Vergleich zum letzten Jahr hat es dabei eine Veränderung in der Besetzung dieses Expeditionstrupps gegeben: Neben eurem treuen Con-Berichterstatter und Autor dieser Zeilen war diesmal Björn vom SDNV (http://www.sdnv.de) mit von der Partie, der mit guten 200 besuchten Conventions in ganz Deutschland wohl zu den erfahrensten Besuchern solcher Veranstaltungen gehört.

Freitag

Nach einer Anreise, die mit dem Auto etwa 4 1/2 Stunden dauerte, erreichten wir den Veranstaltungsort kurz nach 18 Uhr. Viel verpaßt hatten wir noch nicht, da Falk, der Cheforganisator des LindenCon, gerade seine kurze Begrüßungsrede hielt und denjenigen, die das erste Mal hier waren, den groben Ablauf erläuterte. Für diejenigen, die noch nie auf dem LindenCon gewesen sind oder zumindest meinen Bericht vom letzten Jahr gelesen haben, sei dieser noch einmal kurz dargestellt:

Der LindenCon findet in jedem Jahr im Kinder- und Jugendzentrum "Die Insel" statt, welches relativ ruhig in einem Randviertel von Leipzig liegt. Neben dem eigentlichen Gebäude steht dort ein schöner Garten zur Verfügung, in dem mehrere große und kleine Zelte für Spielrunden und die Taverne aufgebaut sind. Daneben gibt es ein Lagerfeuer mit Sitzgruppe herum, einen zentralen Bereich für die Spielrundenaushänge und das schwarze Brett sowie ausreichend Platz, auf dem Besucher ihre eigenen Zelte aufbauen können. Wer nicht im eigenen Zelt übernachten oder beide Nächte durchspielen möchte, der kann es sich mit Schlafsack und Isomatte in einem der geräumigen Schlafzelte bequem machen.

Organisatorisch setzt die LindenCon auf das sogenannte Blocksystem, wobei die einzelnen Spielrunden jeweils zu einem gemeinsamen Zeitpunkt anfangen. Dies hat sich bei vielen Veranstaltungen dieser Größenordnung bewährt, da Überschneidungen zum größten Teil vermieden werden und man als Spieler daher weniger Leerlaufzeiten hat. Ausgehängt werden die Spielrunden erst eine Viertelstunde vor Beginn. Dies birgt sowohl Vor- als auch Nachteile: Einerseits hat somit jeder Spieler die gleiche Chance, in eine bestimmte Runde zu kommen, andererseits entsteht somit zu den "Stoßzeiten" auch ein gewisses Gedränge. Ich persönlich kann mit diesem System gut leben und habe mich auch fast immer in die Runde eintragen können, die ich vorher ins Auge gefaßt habe.

Auch für das leibliche Wohl war gesorgt: In der Taverne konnte man zu äußerst günstigen Preisen allerlei kulinarische Spezialitäten erwerben. Wer gerne Fleisch mochte, war mit der Bratwurst (1,00 Euro) oder dem Steak (1,50 Euro) bestens bedient, außerdem gab es vegetarische Soljanka, Schmandflecken und Piroggen zu ebenfalls sehr fairen Preisen. An Getränken wurden neben Softdrinks, Wasser auch Bier und Met verkauft, so dass nun wirklich kein Wunsch offen blieb. Sehr begrüßenswert war auch der LindenCon-Becher, der für nur 4,00 Euro nicht nur ein nettes Andenken darstellte, sondern auch tagsüber mit Tee und Kaffee jederzeit nachgefüllt werden konnte.

Außerdem gab es einen Verkaufsstand, an dem man am Samstag Comics, Fantasy-Romane und Rollenspielmaterial erwerben konnte.

Soweit zu den "harten Fakten". Nachdem Björn und ich uns umgesehen und dabei das eine oder andere bekannte Gesicht entdeckt hatten, ging es auch gleich ans Eingemachte: Die Entscheidung, wie man den Abend verbringen würde. Ich trug mich für eine Runde Cthulhu ein, die im Erdgeschoss des Jugendzentrums stattfand. Im Gegensatz zu den Bierzeltgarnituren in den Zelten konnten wir also auf bequemen Sofas Platz nehmen. Auch das Abenteuer erwies sich als sehr kurzweilig: Wir spielten eine Diebesbande, die nach einem verpatzten Banküberfall nach Mexiko fliehen will und in ein gottverlassenes Dorf mit seltsamen Bewohnern kommt. Ein klassischer One-Shot, der einen guten Start in den LindenCon bildete.

Gegen 23 Uhr war der erste Block beendet. Die nächsten Spielrunden sollten erst gegen Mitternacht beginnen, doch die Zwischenzeit konnte gut genutzt werden. Christian von Aster (http://www.vonaster.de/) veranstaltete direkt am Lagerfeuer eine Lesung aus seinen Werken und (wie auch im letzten Jahr) gab es von Sandra Rienow eine sehr sehenswerte Feuershow. Ich halte es für eine ausgezeichnete Idee, den Ablauf einer Rollenspielconvention durch ein solches Rahmenprogramm aufzulockern und das atmosphärische Lagerfeuer tat sein übriges, um diese Stunde zu einem äußerst netten Zeitvertreib werden zu lassen. Glück hatten wir dabei – wie übrigens am gesamten Wochenende – mit dem Wetter. Bis auf einige kleinere Regenschauer, die kaum als solche bezeichnet werden können, war es trocken und die Temperaturen lagen in einem Rahmen, in dem man auch abends noch Shirt und kurze Hose tragen konnte.

Für die Nachtrunde trug ich mich danach zu einer Session Degenesis ein. Ich habe dieses System zwar seit einiger Zeit daheim im Regal stehen, allerdings war ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, es einmal zu spielen. Da der Meister die Runde relativ spontan angeboten hatte, mußten wir nach Erläuterung des Hintergrundes erst einmal Charaktere erstellen, was sich als etwas langwierige Angelegenheit erwies. Irgendwann begannen wir unsere Runde dann auch, brachen allerdings nach etwa einer Stunde ab, da unser Spielleiter zu müde für die Fortsetzung war. Leider war diese Zeitspanne zu kurz, um mir ein Urteil über das System bilden zu können, aber einige sehr gute Ansätze sind nicht von der Hand zu weisen.

Samstag

Die nächsten 6 Stunden (etwa von 3 Uhr bis 9 Uhr) verbrachte ich in meinem Schlafsack. Nach einer Katzenwäsche ging es dann zum Frühstücksbuffet, wo man sich für nur 2,50 Euro so richtig satt essen konnte. Mit den Rollenspielrunden weiter ging es pünktlich um 11 Uhr. Ich ergatterte einen Platz in der Cthulhu Now-Runde von Robert, einem alten Con-Bekannten. Auch dieses Abenteuer kann ich nur als äußerst gelungen, wenn auch als ungewöhnlich bezeichnen: Als Kultisten schlüpften wir in die Rollen der "Gegenseite", was sich als äußerst abwechslungsreich erwies.

Spotlight on: Der wohltätige Zweck
Die Organisatoren haben sich in diesem Jahr entschlossen, die Häfte der Tombola-Erlöse einem wohltätigen Zweck zukommen zu lassen. Die Wahl fiel hierbei auf das Kinderhospiz Bärenherz (http://www.baerenherz.de/). Im Frühjahr 2002 wurde die Bärenherz Stiftung mit dem Ziel gegründet, Projekte und Einrichtungen für schwerstkranke und -behinderte Kinder und Jugendliche und deren Familien zu fördern und zu unterstützen, insbesondere werden Kinderhospize eingerichtet und betrieben. Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke und kann Zuwendungsbestätigungen erteilen, die von Ihrem Finanzamt als steuermindernd anerkannt werden. Die Zinserträge aus dem Stiftungskapital werden unmittelbar und ausschließlich für die obengenannten Ziele verwendet.

Um 16 Uhr versammelten sich die meisten Con-Besucher dann auf dem Platz vor dem Infobrett, denn die große Tombola stand an. Für 0,50 Euro je Stück waren zuvor Lose verkauft worden und es warteten Preise im Gesamtwert von guten 1.500,00 Euro auf die glücklichen Gewinner. Die Preise waren hierbei von diversen Verlagen und Privatpersonen gestiftet worden und die Hälfte des Erlöses kam dem Kinderhospiz "Bärenherz" zugute, welches schwerkranke Kinder unterstützt (siehe Textkasten). Eine sehr gute Idee, die hoffentlich viele Nachahmer findet.

Ab 18 Uhr ging es dann weiter im Programm, denn die nächsten Rollenspielrunden begannen. Da ich noch ein weiteres neues System kennen lernen wollte, landete ich schließlich in einer Runde Arcane Codex. Auch hier spielten wir eher ungewöhnliche Charaktere, denn die Nekromanten- und Totenkulte, die in dieser Spielwelt als normal angesehen werden, dürften in anderen Spielsystem wohl eher ein Fall für die Inquisition sein. Auch wenn der Keller zum Spielen meines Erachtens einen Tick zu dunkel war, erwies sich die Runde als sehr nett. Das Würfelsystem ist einfach gehalten und der Spielleiter verstand sein Handwerk wirklich – der Daumen ging also auch bei dieser Runde eindeutig nach oben.

Nach der Runde tigerte ich noch für etwa 2 Stunden über das Gelände, setzte mich ans Lagerfeuer und unterhielt mich mit einigen Leuten, bis ich dann wieder bereits erwähnten Schlafsack aufsuchte. Zwar wurden auch wieder einige Nachtrunden angeboten, allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so motiviert auf eine dritte Rollenspielrunde. Einschlafen durfte ich dann zu den lieblichen Tönen von einigen offenbar betrunkenen Jugendlichen, die vom Nachbargrundstück lauthals Lieder der Böhsen Onkelz und Rammstein mit grölten, bevor es den Anwohnern (und der Polizei) doch scheinbar irgendwann zu bunt wurde. Na ja, jedem eben das seine.

Außerdem fand in dieser Nacht noch ein Vampire Live statt, von dem ich aber außer einigen geschminkten Protagonisten leider nicht allzu viel mitbekommen habe. Nach Aussagen von Teilnehmern soll es aber sehr gelungen sein.

Sonntag

Der Sonntag begann neben dem Frühstück mit einer kalten Dusche – im wahrsten Sinne des Wortes übrigens: An diesem Tag zog ich eine richtige Dusche dem Waschbecken vom Vortag vor, doch diese war leider defekt, so dass das Wasser daraus nur eiskalt aus der Leitung tröpfelte. Na ja: Was nicht tötet, das härtet ab und es gibt nichts besseres zum Wachwerden als eine solche Erfrischung am frühen Morgen. Nach dem erneut reichhaltigen Frühstück stand dann die letzte Entscheidung für dieses Wochenende an: Rollenspiel, Brettspiel oder doch der Alternativplan mit Stadtbesichtigung? Ich entschied mich für eine Runde des Brettspiels Descent, da ich mir die (sehenswerte) Leipziger Innenstadt ja bereits im letzten Jahr angesehen hatte. Praktisch dabei: Björn spielte ebenfalls hier mit, so dass nicht die Gefahr bestand, dass einer von uns beiden wesentlich früher fertig wird und dann auf den anderen warten muß.

Wer Descent kennt, der kann bestätigen, dass eine Runde mindestens fünf Stunden dauert und so war es auch diesmal: Mit den Regelerklärungen für die Anfänger unter uns und einigen Essenspausen waren wir bis zum Ende der Convention beschäftigt. Am Ende konnten wir das Spiel sogar knapp gewinnen, da unsere Spielleiterin sich in einigen Situationen nicht als "Evil-", sondern als "Friendly Overlord" gnädig zeigte.

Gegen 16.45 Uhr verließen wir schließlich das Con-Gelände und erreichten Hamburg gegen 20.15 Uhr wieder. Damit endete die Ausfahrt zum LindenCon nach etwa 54 1/2 Stunden.

Fazit

Ich kann mein Fazit aus dem letzten Jahr nur wiederholen: Ich halte den LindenCon für eine der besten Conventions dieser Größenordnung in Deutschland. Mit (geschätzten) 150 bis 170 Besuchern kann man die Veranstaltung noch als "familiär" bezeichnen, zumindest hatte ich nie das Gefühl, mich inmitten einer großen und anonymen Horde an Rollenspielern zu befinden. Die gesamte Organisation lief nahezu perfekt - oder zumindest erweckte sie stets diesen Anschein: Vorab eine informative Homepage (http://www.lindencon.de), ein wirklich gutes Programmheft, günstige Verpflegung von früh bis spät und ein Spielrundensystem, mit dem ich gut leben kann – was will man mehr? Auch die Besucher trugen natürlich einen großen Teil zum Gelingen des LindenCons bei, denn die Auswahl der angebotenen Systeme ließ nun wirklich keine Wünsche übrig. Somit kann ich den LindenCon allen Rollenspielern, die auch einmal gerne eine solche Veranstaltung besuchen, nur wärmstens ans Herz legen. Es lohnt sich!

Sven

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