Historie Ontans
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Steht nicht geschrieben: "Wer die Gegenwart verstehen will, der muß erst einmal die Vergangenheit begreifen"? Dieser Prämisse folgend werde ich mich bemühen, ihnen - meiner getreuen Leserschaft angehender Ontan-Freunde - einen kurzen Überblick über die Vergangenheit dieses großartigen Landes zu bieten. Oh, wie habe ich mich durch verstaubte Bibliotheken gewühlt, um auch nur einen Bruchteil dessen zu erhaschen, was sich in diesem Land einst abspielte. Dazu ist allerdings zu sagen, dass die ontanische Geschichtsschreibung nicht die beste ist: Pergamentrollen vermodern in dem feucht-heißen Klima viel zu schnell und zudem war es über Jahrhunderte eine Unsitte, kostbares Papier immer wieder zu benutzen, beispielsweise als Einkaufszettel. Der geneigte Forscher sollte sich in Ontan also immer darauf gefaßt machen, zwischen einem Bericht über die Heldentaten von König Khalon eine Notiz vorzufinden, dass eben dieser noch zwei Pfund Butter vom Markt mitbringen möchte.
Doch nun laßt uns zurück in die Vergangenheit reisen...
| Inhaltsverzeichnis |
Urzeiten
Im Dschungel Ontans leben verstreut einige Waldmenschenstämme. Diese pflegen einen friedlichen Kontakt zu den wenigen Alben der Umgebung.
Etwa 2.100 vGdR
Im Fürstentum Hylonien westlich der Lehmberge herrscht Krieg. Als sich eine Niederlage der Einheimischen abzeichnet, flüchten einige Gruppen über die Berge in den bisher unerforschten Dschungel. Diese tapferen Männer und Frauen waren vermutlich die ersten 'zivilisierten' Menschen, die dauerhaft in diesem Gebiet siedeln wollten. Zwei Jahre später dienen sie einem hungrigen Drachen als Nachtisch.
Die Jahre 2.100 bis 1.600 vGdR
Lange Zeit meiden die Menschen das Land zwischen der Noarja und dem Sar Katarn. Nur vereinzelt durchqueren einige versprengte Reisende den Dschungel, halten sich dabei aber immer in der Nähe der Flüsse. Vom Süden her wird das Land zunehmend von Dschungelorks besiedelt, die ursprünglich aus einem Land jenseits des Gebirges kommen. Bald schon werden erste Kontakte geknüpft und ein bescheidener Handel entsteht. Aber auch bewaffnete Konflikte sind an der Tagesordnung.
Etwa 1.600 vGdR
Erneut stoßen einige menschliche Siedler aus Cantaria in den Dschungel vor, um dort dauerhaft zu siedeln. Eine erste Siedlung wird gegründet, diese ist die Keimzelle der heutigen Hauptstadt Brataya. Kaum sind die ersten Hütten errichtet, steht auch schon ein cantarischer Steuereintreiber vor der Tür. Unter energischem Protest wird dieser überzeugt, dass man keine Steuern zu zahlen gedenke, da die Siedlung Hauptstadt eines neuen Staates sei. Auf die Frage, wie denn der neue Staat hieße, antwortet der Anführer ebenso kreativ wie spontan mit einem entschlossenen "Äh... Ontan?". Dieser Moment gilt heute als die Staatsgründung Ontans, der auch heute noch in einem mehrwöchigen Zechgelage gefeiert wird. Noch heute rätseln Forscher übrigens über die genaue Bedeutung des Wortes 'Ontan'. In dem damals gesprochenen Dialekt könnte es in etwa "Land, in dem viele giftige Krabbeltiere wohnen und die Mücken echt auf den Geist gehen" übersetzt werden.
Die tapferen Siedler werden übrigens kurze Zeit später ebenfalls von einem Drachen verspeist.
Etwa 1.595 vGdR
Der Steuereintreiber berichtet in seiner Heimat von dem neuen Staat und Cantaria versucht diplomatische Beziehungen aufzunehmen, indem es bewaffnete Truppen nach Ontan schickt. Nach langer Suche finden diese Brataya allerdings verlassen vor. Da der Rückweg zu beschwerlich erscheint, beschließt man, einfach dort zu bleiben und ein neues Volk zu gründen.
Etwa 1.560 vGdR
Bei aller Euphorie haben die Soldaten übersehen, dass der Trupp ausschließlich aus Männern besteht. Mangels Nachwuchs schrumpft die Bevölkerung somit in den kommenden Jahren rapide. Diejenigen, die den tödlichen Dschungel und die Last des Alters schließlich überleben, werden von einem Drachen gefressen.
Etwa 1.000 vGdR
Im Zuge der Kolonisation Bordiapurs ziehen einige cantarische Siedler auch nach Ontan. Als man dort an einem stinkenden Tümpel die rußgeschwärzten Überreste Bratayas und etliche Skelette findet, beschließt man, dass dies ein idealer Ort zum Siedeln sei. Die Stadt wird neu errichtet und es entwickelt sich eine erste kleine Blütezeit, in der auch im nahen Umland weitere Orte gegründet werden.
Etwa 950 vGdR
Ein Drache erscheint in der mittlerweile 1.000 Köpfe zählenden Siedlung und fordert einen Tribut in Form einer Jungfrau. Die Siedler kennen alle die schrecklichen Gerüchte um hungrige Drachen und beschließen, auf einen Handel mit dem Drachen einzugehen. Mangels Alternativen wird der 23jährige Waldfred Hutzelblatt geopfert. Der Drache ist zwar verstimmt, erklärt sich aber einverstanden. In Erinnerung an Waldfred wird in Brataya eine 12 Schritt hohe Statue errichtet. Noch heute ist es unter jungen Frauen Sitte, vor dieser Statue stehen zu bleiben, mit dem Finger auf sie zu zeigen und dabei zu kichern.
Die Jahre 950 bis 520 vGdR
Ontan konsolidiert sich als unabhängiger Staat. Spötter mögen behaupten, dass einfach niemand anderes Interesse an dem Gebiet hat, allerdings zeigt sich bald schon der wahre Reichtum des Landes. An vielen Stellen werden hochwertige Eisenerze gefunden. In den Jahren, in denen Cantaria und die Inneren Lande sich wie so oft in ihrer Geschichte gegenseitig zerfleischen, verdient Ontan nicht schlecht an der Lieferung von Rohstoffen zur Herstellung von Waffen - und zwar an beide Seiten. Während dieser Jahre erscheint einmal im Jahr ein alter Drache und fordert seinen Tribut in Form einer Jungfrau. Dies wird für die Bewohner schon bald zu einer Gewohnheit, so dass man bald dazu übergeht, den Drachen kultisch zu verehren. Die Menschen beginnen, auch den Drachen Ontan zu nennen, da sie in ihm den guten (aber stets hungrigen) Geist ihres Landes sehen.
Die Jahre 520 bis 490 vGdR
Von einem Jahr auf das andere erscheint der Drache nicht mehr. Zunächst wundert man sich, doch dann versuchen auch schon verschiedene Gruppen aus dem Verschwinden ihr Kapital zu ziehen. Sie erklären sich zu den legitimen Nachfolgern des Drachen und beanspruchen die Herrschaft für sich. Es kommt, wie es immer kommt in solchen Situationen: Ein Volk zerfleischt sich gegenseitig. Während dieser Phase gelingt es Khalon von Hesselbach, sich selbst zum König zu ernennen. Diese kurze Phase der ontanischen Monarchie endet mit dem Verschwinden König Khalons.
Die Jahre 490 bis 150 vGdR
Ontan verdient weiterhin gut mit dem Eisenerzhandel. Zahlreiche Smills haben in den Lehmbergen und am Nordhang des Sar Katarns Minen errichtet, der Handel ist das bestimmende Merkmal des Landes. Ontan behält im Konflikt zwischen Cantaria und den Inneren Landen weiterhin eine neutrale Rolle. In diesen Jahren blüht der Städtebund, ein ziviler Zusammenschluss der größten Siedlungen, auf und übernimmt de facto die Regierungsgeschäfte, da "bis auf weiteres" kein neuer Monarch ernannt wird.
Die Jahre 150 bis 70 vGdR
In Noarja, dem nördlichen Nachbarn, entbrennt ein Bürgerkrieg. Aufgrund finanzieller Anreize durch die Inneren Lande unterstützt Ontan die Rebellen, wodurch es fast zu einem Konflikt mit Cantaria kommt. Doch der Frieden kann noch einmal bewahrt werden, auch wenn das Verhältnis zum großen Nachbarn merklich abkühlt.
Die Jahre 70 bis 55 vGdR
Wie vielerorts, so ist auch Ontan vom plötzlichen Auftauchen eines Heeres der Maschinenmenschen betroffen. Diese plündern einige Städte Ontans und hinterlassen nichts als rauchende Trümmer. Den Smills aus den Lehmbergen wird vorgeworfen, das Heer mit Lieferungen besten Stahls zu unterstützen, doch Beweise dafür gibt es keine. In der Bevölkerung kommt es zu zunehmenden Unruhen, als verschiedene Gruppen damit beginnen, sich untereinander um die langsam knapper werdenden Ressourcen zu streiten.
Die Jahre 55 bis 1 vGdR
Ontan gehört zu den großen Gewinnern, aber auch zu den Verlierern, der zahlreichen bewaffneten Konflikte in diesen unruhigen Jahren. Auf der einen Seite steigt die Nachfrage nach ontanischen Rohstoffen enorm, auf der anderen Seite aber wird ein hoher Blutzoll gezahlt, als Heere beider Machtblöcke auch in Ontan einmarschieren, um die wichtigen Minen für die eigene Seite zu sichern. Ontan verliert in diesem Zeitraum über die Hälfte seiner Bevölkerung. Zudem nehmen die Konflikte innerhalb der eigenen Bevölkerung merklich zu, da man sich in einem ständigen Streit um wichtige Rohstoffquellen befindet.
Die Jahre 1 GdR bis 7 GdR
Innerlich zerissen und ausgeblutet tritt Ontan dem Reich der Tausend Nationen bei, um endlich wieder Frieden und Wohlstand zu erlangen. Dieser Beschluß wird von den Vorsitzenden des Städtebundes getroffen und auch wenn er eine sichtliche Verbesserung der Lage mit sich bringt, gehen doch einzelne Gruppen dagegen an. Dem Städtebund gelingt es, die Lage einigermaßen ruhig zu halten.
Das ereignisreiche Jahr 7 GdR
Nach Plünderungen ontanischer Freischärler entsendet Cantaria Truppen nach Ontan, um seine südliche Provinz, die Albenlande, zu schützen. Im Handstreich nimmt man die westliche Hälfte des Landes ein. Sofort formiert sich ein Widerstand, bewaffnete Gruppen ziehen sich in den Dschungel zurück und rüsten für einen Partisanenkrieg. Bei den eiligst einberufenen Friedensverhandlungen zu Aiken kommt es jedoch anders als gedacht: Während sich der Städtebund innerlich schon mit einer längeren Besatzung durch eine fremde Macht abgefunden hat, erscheint der alte Drache Ontan wieder auf der Bildfläche und fordert sein Land zurück. Die cantarischen Truppen ziehen sich zurück und überlassen Ontan wieder dem Drachen. Die Bewohner kehren wieder in die Städte zurück. Gerüchteweise sollen allerdings einige der 'alteingesessenen Rückkehrer' noch niemals zuvor in den Städten gesehen worden sein und mit einem cantarischen Dialekt sprechen...
