Kultur Serawiens
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Einleitung - Geschichte - Geographie - Städte - Kultur - Persönlichkeiten - Sagen und Legenden |
| Inhaltsverzeichnis |
Von den Bewohnern Serawiens
Der einfache Serawier ist stark von dem Land geprägt, in dem er lebt. In einer Heimat, welche zu einem großen Teil aus zerklüftetem Hochgebirge und dunklen Tannenwäldern besteht, die stets von einer dicken Schneedecke bedeckt sind, ist die Lebensweise natürlich weniger fröhlich und offen als in südlicheren Gefilden. Ein Serawier wird einem Unbekannten also oftmals mürrisch und auch mißtrauisch begegnen, dies aber dient vor allem dem Selbstzweck: Wo es nichts zu verschenken gibt, da werden Fremde natürlich zuerst einmal als Eindringlinge gesehen, gegen die die eigenen Habseligkeiten verteidigt werden müssen. Dies will nicht heißen, dass man keine Freundschaft mit einem Serawier schließen kann: Hat dieser einen Reisenden erst einmal kennen gelernt und dabei festgestellt, dass der Kontakt durchaus einen Vorteil bringt (siehe auch die beliebten serawischen Barden), so kann sich durchaus eine herzliche Beziehung entwickeln.
Der weitaus größte Teil der serawischen Bevölkerung, besonders in den Städten, besteht aus Menschen. Diese weisen meist eine sehr helle Haut und dunkles, häufig sogar schwarzes Haar, auf. Auch leicht schräg gestellte Augen sind recht verbreitet. Die kargen Ernten sorgen dafür, dass man nur selten fettleibige Menschen antrifft. Die Arbeit ist hart und die ständige Kälte sorgt dafür, dass der Körper viel Energie verbraucht. Insofern ist Fülligkeit auch ein Zeichen von Reichtum: Wer es sich leisten kann, keine körperlich anstrengende Arbeiten zu verrichten und stattdessen in einer warmen Stube zu sitzen, verdient höchste Anerkennung. Ausgeprägte weibliche Formen sind selten, dafür aber bei den Männern Serawiens um so beliebter.
Der Anteil der Alben an der Bevölkerung geht wahrscheinlich auf die Urzelle der albischen Kultur zurück, welche von Sagen und Legenden im Bereich des Ered Albumin angesiedelt wird. Auch diese Vertreter ihrer Rasse sind im Vergleich zu ihren südlichen Verwandten ernster und verschlossener, gelten aber allgemein auch als weitaus robuster und belastbarer.
Eine Besonderheit sind die Schneefeliden, die man fast nur in Serawien antreffen kann. Bis auf wenige Ausnahmen leben diese in den tiefen Wäldern südlich des Ered Albumin. Sie haben ihren Namen von ihrer schneeweißen Fellfarbe, die ihnen als perfekte Tarnung dient. Alte Geschichten besagen, dass das Volk der Schneefeliden in einem engen Zusammenhang mit der Schneekönigin steht, dies ist aber wie deren Existenz nicht belegt und wird von ihnen selbst auch wie ein gutes Geheimnis gehütet. Da ein einzelner Schneefelide in der kargen Landschaft Nordserawiens wohl keine Überlebenschance hätte, leben die meisten von ihnen in Gruppen von mindestens zehn Individuen. In diesen Gruppen herrscht dann meist eine Arbeitsteilung: Während einige sich auf die Jagd spezialisiert haben, hüten andere das Feuer, ziehen die Kinder groß oder sammeln Beeren und Kräuter. Diese Rollen sind übrigens nicht geschlechtsspezifisch festgelegt; so kann es durchaus vorkommen, dass ein Felide daheim bei den Kindern bleibt, während die Felidin mit den anderen Jägern in die tiefen Wälder zieht.
Leben und Überleben
Das kalte Klima und der karge Boden geben in Serawien nicht viel her, was einen Tisch prall decken könnte. Außer im südlichen Tal der Nieme ist Landwirtschaft nur an den Orten möglich, wo die sogenannten Sommersteine für ein wenig Wärme sorgen. Den Großteil der Nahrung bilden Rüben, die auch im kalten Winter lange haltbar sind. Fleisch kommt nur selten auf den Tisch, Fisch dagegen an den Orten entlang der Nieme um so häufiger. Einzig vom ungenießbaren Fisch des Spiegelsees lassen die meisten ihre Finger, dieser bleibt den Ärmsten der Armen vorbehalten.
Berühmt ist Serawien dagegen für seine berauschenden Getränke. Bier und Wein kennt man zwar so gut wie gar nicht, dafür aber genießt der selbst gebrannte serawische Schnaps einen exzellenten Ruf. Er wird zu fast jeder Mahlzeit serviert und selbst Kinder bekommen meist schon in jungen Jahren einen kleinen Schluck. Der exorbitant hohe (aber meist stark schwankende) Alkoholgehalt sorgt dafür, dass es selbst einem Serawier bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt so richtig warm ums Herz wird.
Der Aberglaube
Prägend für fast alle Serawier ist ein überaus starker Aberglaube. Die Angst vor Vampiren, Werwölfen und anderen Schreckgestalten ist hier weitaus präsenter als in anderen Ländern. Ob dies ein Zeichen dafür ist, dass diese Wesen in Serawien tatsächlich stärker verbreitet seien als anderswo, oder nur Ausdruck einer klassischen Paranoia ist, sei einmal dahingestellt. Interessant dabei ist, dass sich der Aberglaube in vielen verschiedenen Formen zeigt. Für jeden Schrecken, der einem Serawier drohen mag, gibt es sicherlich ein gutes Dutzend unterschiedlicher Gegenmittel, die sich teilweise sogar gegenseitig ausschließen. So kann es vorkommen, dass man in einem Dorf Knoblauch als bestes Abwehrmittel gegen Vampire betrachtet, während eben dieser eine Meile weiter schon in dem Ruf steht, sie überhaupt erst anzulocken. Streitereien über diese unterschiedlichen Ansichten sind dabei natürlich an der Tagesordnung.
Besonderer Beliebtheit erfreuen sich magische Amulette und Schutzgegenstände. Diese werden meist von verschrobenen Einsiedlern oder alten Kräuterweibern entwickelt, die eigentlich gemieden werden, aufgrund ihrer vorgeblichen Lebenserfahrung und Kenntnisse aber doch als hilfreich angesehen werden.
Vom Adel
Wie fast überall im Reich der Tausend Nationen ist auch Serawien von einem Feudalsystem geprägt. Der Adel herrscht über das Land und bleibt meist unter sich, da Hochzeiten zwischen einem Adligen und einer Bürgerlichen nur äußerst selten sind und meist als nicht standesgemäß angesehen werden. Dies hindert serawische Adlige allerdings nicht daran, Liebschaften mit Leuten aus dem einfachen Volke einzugehen – eine Tatsache, über die man nicht offen spricht, die aber allgemein bekannt ist. Die Kinder aus solchen Beziehungen werden meist nicht offiziell anerkannt, bekommen aber häufig gute Posten verliehen.
Die Aufgabe des Adels ist es, für die Sicherheit ihrer Bevölkerung zu sorgen. Um dies gewährleisten zu können, hat der Herrscher über ein bestimmtes Gebiet das Recht, in diesem Steuern zu erheben. Für manch einen Adligen ist dies jedoch ein zweischneidiges Schwert: Der große Krieg hat viele der ehemaligen Schutzburgen zerstört und bei den bewaffneten Truppen einen hohen Blutzoll gefordert. So ist es kaum verwunderlich, dass viele Adlige in brenzligen Situationen auf reisende Abenteurergruppen zurück greifen müssen, wenn wirklich Not am Mann ist. Nicht selten kommt es dabei vor, dass Adlige dabei an zwilichtige Herumtreiber geraten, die sich dann nach erfülltem Auftrag in der wehrlosen Burg einquartieren und dort an eventuell noch vorhandenen Gütern schadlos halten...
Die Sicht auf die Götter
Seltsam mag einem Reisenden manchmal die serawische Sicht der Götter anmuten. Zwar ist man sehr götterfürchtig, allerdings vermischt sich der Glaube in vielen Fällen mit dem bereits erwähnten Aberglauben. So kann es vorkommen, dass einzelnen Junggöttern neue Aspekte zugewiesen werden oder diese in einer anderen Form angebetet werden als anderswo. Wer einmal den Tempel des Nagalatisch in Kerkul betreten hat und die Statue des finsteren Gottes dort als gemütlichen Menschen mit Wildschweinkopf gesehen hat, dem man verfaultes Gemüse und Räucherstäbchen opfert, der weiß, wovon hier die Rede ist. Doch Vorsicht: Den Glauben eines Serawiers anzuzweifeln kommt einem schweren Verbrechen gleich, mit dem man sich leicht den Zorn eines ganzen Dorfes zuziehen kann.
Der Tod als Teil des Lebens
Der Umgang der Serawier mit dem Tod wirkt auf andere Kulturen befremdlich, da der Tod dort nicht tabuisiert wird. Er wird als etwas betrachtet, dem man jederzeit begegnen kann (Im wahrsten Sinne des Wortes). Besonders deutlich wird das in der Zeit rund um die Tage der Toten, wenn Skelette aus Pappmaché, in allen möglichen Alltagssituationen dargestellt, in den Straßen und in Geschäften aufgestellt werden. Auch die Begräbnissitten spiegeln den besonderen Umgang der Serawier mit dem Tod und den Toten wieder.
Tage der Toten
Nach altserawischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr - jeweils zum Ende der Erntezeit - zu Besuch aus dem Jenseits. Um die Toten zu beruhigen, feiern sie gemeinsam ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen.
Der Tag der Toten ist einer der wichtigsten serawischen Feiertage, an dem in Serawien traditionell der Verstorbenen gedacht wird. Die Vorbereitungszeit für die Feierlichkeiten beginnt im Feuermonat des Herbstes, gefeiert wird in den letzten drei Tagen des Luftmonats im Herbst.
Der Tag der Toten ist keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten.
Die Verstorbenen dürfen an diesen Tagen aus dem Totenreich zurückkehren. Allerdings glaubt niemand, dass die Toten wirklich aus ihren Gräbern auferstehen und dorthin wieder zurückkehren. Vielmehr sind es die Seelen, die ihre Familien besuchen, dabei steht für die Serawier das Gedenken an die Verstorbenen im Vordergrund.
Die Straßen werden mit Blumen geschmückt, skurrile Todessymbole, Skelette und Schädel in den unterschiedlichsten Ausführungen stehen in den Fenstern und an den Wegen. Das Totenbrot ist ein weiteres beliebtes Naschwerk in diesen Tagen.
Die traditionelle Totenaltäre oder Gabentische in den Wohnungen, zum Teil auch auf öffentlichen Plätzen, sind das Zentrum der Feierlichkeiten. Sie sind reichlich mit Speisen und Getränken, Blumen und persönlichen Erinnerungsgegenständen gedeckt. Die Toten sollen sich nach ihrer langen Reise aus dem Totenreich stärken und einige der Gaben wieder mitnehmen.
Auf den Straßen herrscht buntes Treiben. Wohnungen und Friedhöfe werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. An den Eingangspforten der Häuser werden Laternen aufgehängt. Die leuchtend orangefarbene, nelkenähnliche 'Grogenkowitsch' wird zusammen mit Ringelblumen als "Empfangsteppich und Wegweiser" für die Verstorbenen vom Haus bis zum Friedhof ausgelegt, damit diese sicher vom Familienfest wieder zurück finden. Man glaubt, dass Verstorbene die Farben orange und gelb am besten erkennen können.
In der ersten Nacht der Feierlichkeiten wird die Ankunft der verstorbenen Kinder erwartet. Nachdem in der zweiten Nacht die Seelen der verstorbenen Erwachsenen ebenfalls im Haus empfangen wurden, findet anschließend der Abschied von den Verstorbenen auf den Friedhöfen statt. Dort werden mitgebrachte Speisen gegessen, es wird getrunken, musiziert und getanzt. Um Mitternacht ist für die Verstorbenen die Zeit gekommen, wieder ins Jenseits zurückzukehren. Den seit den letzten Tagen der Toten Verstorbenen werden Holzpflöcke in die Körper getrieben.
Das Fest ist zu Ende, bis die Toten im nächsten Jahr zurückkehren.
Begräbnissitten
Fast jeder Serawier fürchtet lebendig begraben zu werden; so etwas geschieht gerade in den abgelegeneren Landstrichen häufiger: Menschen werden wie tot aufgefunden und beerdigt, sind aber gar nicht richtig tot. Dagegen wurde in Serawien eine einfach Gegemaßnahme gefunden:
- Die Särge werden nicht tief im Erdreich vergraben. Maximal eine Elle Erdreich befindet sich auf dem Sargdeckel.
- Sargdeckel werden nicht vernagelt.
- Es werden Todeshörner in die Särge gelegt. Das Mundstück des Horns befindet sich innerhalb des Sarges während die andere Öffnung oberhalb der Erde endet. So kann ein lebendig Vergrabener ein Signal geben.
Ist ein Mensch jedoch ersteinmal richtig tot, so wird auch dafür gesorgt, dass er auch tot bleibt. Sollte er nicht bis zum nächsten Tag der Toten wieder erwachen, wird ihm zum Abschluss des Festes ein Holzpflock ins Herz getrieben.
