Land und Leute Ontans

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Inhaltsverzeichnis

Das ontanische Volk

In Ontan leben verschiedene Volksgruppen nebeneinander. Gut zwei Drittel aller Bewohner sind die Nachfahren von ursprünglich aus anderen Ländern eingewanderte Menschen, die meist in den Städten leben. Neben ihnen gibt es im Urwald aber auch noch etliche kleinere Streusiedlungen von Dschungelorks, die – je nach Zustand der Verteidigungsanlagen – mit den Dörfern ihrer Umgebung Handel betreiben oder sie ausplündern. Kein Stamm wird dabei aber so weit gehen, ein Dorf und seine Bevölkerung vollkommen auszurotten, würde er sich doch damit seiner Lebensgrundlage berauben. Die Bevölkerung hat sich mittlerweile mit diesen „grünen Freunden aus dem Wald“ abgefunden, sind sie doch nicht schlimmer als die Steuereintreiber aus Brataya, die mit einem Verweis auf leere Taschen dann meist wieder nach hause zurück geschickt werden können.

Eine weitere Bevölkerungsgruppe sind die Smills, die sich in den Lehmbergen und dem Sar Katarn angesiedelt haben, um dort kostbare Rohstoffe abzubauen. Diese fühlen sich jedoch in der Regel mehr mit ihrer ursprünglichen Heimat als mit Ontan verbunden, da ihnen das schwül-heiße Klima oftmals zu schaffen macht und die Kettenhemden am Leibe im wahrsten Sinne des Wortes manchmal rosten läßt – das größte Sakrileg für jeden guten Smill.

Tief im Dschungel versteckt lebt eine kleine Population an dunkelhäutigen Waldmenschen. Diese sollen das Land bereits lange vor den hellhäutigen Siedler bewohnt haben. Sie leben in einfachen Strohhütten und pflegen nur sporadisch Kontakt zu den Menschen in den Städten. Ihre Riten mögen rückständig erscheinen, aber diese Männer und Frauen haben sich perfekt an das Leben im Urwald angepaßt.

Außerdem wohnen im Südwesten des Landes, in der Nähe des Lochs noch einige Albensippen. Jede Verbindung zu diesen wird von der Regierung meist geleugnet, da sie im allgemeinen als verrückt gelten.

Das in Ontan lebende Volk gilt im allgemeinen als streitlustig. Manchmal genügt es, einen Ontaner auch nur falsch anzusehen, um eine jahrzehntelange Familienfehde zu beginnen. Zurückhaltung und Mäßigung werden in Ontan zu den Todsünden gerechnet (die anderen beziehen sich hauptsächlich auf das Tragen von häßlicher Kleidung und den intimen Umgang mit Tieren, die noch verspeist werden können). So erkennt man den einheimischen Ontaner daran, dass er auf Außenstehende meist ein wenig laut und polternd wirkt, wenn er mit Nachdruck seine Interessen vertritt oder einfach nur seine Anwesenheit kundtun möchte. Ein altes ontanisches Sprichwort besagt, dass nur diejenigen flüstern würden, die etwas zu verbergen hätten. Also ist es gute Sitte, sich möglichst so laut mit seinem Nachbarn zu unterhalten, dass auch alle anderen Personen im Umkreis der Unterhaltung folgen können. Selbst intimste Gespräche werden so meist zu einem beliebten Thema in der Nachbarschaft.

Mode, schöne Künste und Revolutionsideale

In der Mode eifert die feine Gesellschaft meist den aktuellsten Trends aus den großen Städten Cantarias und der Inneren Lande hinterher. Da besagte „feine Gesellschaft“ in Ontan im Vergleich zu anderen Ländern jedoch nur über ein recht eingeschränktes Vermögen verfügt, ist die Kleidung meist aus billigen Stoffen hergestellt, die zwar gut aussieht, sich aber nach einigen Wochen bereits in ihre Einzelteile zerlegt. Um nicht immer veralteten Trends hinterher zu laufen, haben einige ontanische Herrscher in der Vergangenheit eigene Spitzel in das Ausland geschickt, um neue Schnittmuster zu stehlen und die Kleidung dann noch vor dem ungeliebten Nachbarn zu tragen. Nicht selten kam es dabei allerdings zu peinlichen Zwischenfällen wie im Falle des Händlers Dalgo Tusben, der einen äußerst preiswerten, aber nicht allzu intelligenten Spitzel anheuerte und danach zwei Wochen in eine Pferdedecke gehüllt durch die Straßen seiner Heimat lief, bis ihn jemand über den Irrtum aufklärte.

Sehr beliebt sind ist auch jede Form von Gesang, Tanz und Geselligkeit. Dabei konsumiert man dann meist importiertes Bier oder ‚Hullk‘, einen bitteren Schnaps, der nach Angaben des Herstellers nur in den seltensten Fällen Blindheit hervorruft, dafür aber Haare an Körperteilen sprießen läßt, die man vorher noch gar nicht kannte. Die Dichtkunst der Ontaner wird in anderen Ländern meist verspottet, da sie komplett auf Reime und Rhythmus verzichtet, bei den Einheimischen kommt sie allerdings sehr gut an, da sie auch unter erheblichem Alkoholeinfluss noch gut vorzutragen ist. Bekanntester Dichter des Landes ist der Mensch Nani Haselbaum, der mit seinem Titel „Humpa! Humpa! Humpa!“ einen zeitlosen Klassiker schuf.

Viele Lieder beziehen sich auf die glorreiche Zeit des Befreiungskrieges. Zwar hat es einen solchen in der Geschichte Ontans nie gegeben, allerdings besteht in den Köpfen vieler Leute das Idealbild eines tapferen Volkes, welches sich mit Waffengewalt gegen einen übermächtigen Feind zur Wehr setzt und dabei für seine Ideale eintritt. Dieses Denken hat allerdings dazu geführt, dass nahezu täglich irgendwo in Ontan irgend ein selbsternannter Freischärler eine kleine Gruppe von Sympathisanten um sich schart und eine große Revolution anzettelt. Meist endet diese Revolution pünktlich zum Abendessen, aber so gut wie jeder Ontaner hat eine entsprechende Dschungelausrüstung daheim im Schrank und versteckte Rückzugsmöglichkeiten im Dschungel für den Ernstfall. Diese werden meist als Wochenendhäuschen genutzt. Die Wehrhaftigkeit des ontanischen Volkes war es auch, die im Krieg zwischen Cantaria und den Inneren Landen einen hohen Blutzoll gefordert hat, da so gut wie kein Ontaner bereit war, sich freiwillig einer Besatzung zu unterstellen.


Das Leben am großem Strom

Die Lebensader des Landes ist der gewaltige Strom, der in Cantaria unter dem Namen Sjillval bekannt ist, in Ontan aber stets nur "der lange Strom" genannt wird. Er bildet zu großen Teilen die Grenze Ontans zum Königreich Noarja, ist aber gleichzeitig ein wichtigster Transportweg. Nahezu jede Stadt und jeder kleine Weiler an seinem Ufer verfügt über einen kleinen Hafen oder zumindest über eine Zollstation, um auf dem einen oder anderen Weg Kapital aus den zahlreichen Gütern zu schlagen, die über diesen Weg transportiert werden. Der Beruf des Flußschiffers ist daher in Ontan auch besonders angesehen, sind es doch meist rauhe Burschen, die mit den zahlreichen Gefahren wie Untiefen, Krokodilen oder Flußpiraten zurecht kommen müssem. Oftmals schließen sich auch mehrere Kähne zu größeren Konvois zusammen, um sich so besser gegen Piraten verteidigen zu können. Tragisch endete zum Beispiel die Karriere des wagemutigen Piraten Otzel Holzbein, dessen stolzes Schiff sank, nachdem es von einem stählernen Erztransporter der Smills gerammt wurde. Otzels letzte Worte sollen gewesen sein "Die drehen noch ab".


Vom Überleben in einer feindlichen Umgebung

Der weitaus größte Teil Ontans in von einem dichten Dschungel umgeben, aus dem die kleineren und größeren Siedlungen wie Inseln herausragen. Meistens ist um die Dörfer herum ein schmaler Streifen Land gerodet, auf dem ein karger Ackerbau betrieben wird, aber dahinter folgt schon der dichte Urwald. Die Straßen, welche die einzelnen Dörfer miteinander verbinden, sind meist nicht mehr als schmale Schlammpisten, die ständig Gefahr laufen, wieder von der Vegetation verschlungen zu werden. Jedes Dorf beschäftigt sogenannte ‚Hacker‘, die mit Macheten in regelmäßigen Abständen dafür sorgen, dass der Weg zum Nachbardorf frei bleibt. Die einzige gepflasterte Straße ist der Treidelpfad entlang der Flußgrenze zu Noarja, der vom Städtebund als lebenswichtige Ader des Handels regelmäßig instand gesetzt wird.

Betritt man den Dschungel, so fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Hier wimmelt es von Leben, überall entdeckt man kleine Tiere und farbenprächtige Pflanzen, die eine überaus vielfältige Fauna und Flora bilden. Lästige Stechmücken sind dabei ebenso präsent wie bunte Schmetterlinge, liebliche Blumen oder der grinsende Dschungelork, der mit einem Knüppel bewaffnet auf unvorsichtige Reisende wartet.

Eine Besonderheit Ontans sind die ständig wiederkehren, aber recht unregelmäßigen Regenzeiten. Manchmal fällt über mehrere Wochen kein einziger Regentropfen, dann aber ziehen sich tiefschwarze Wolken aus dem Sar Katarn zusammen und es regnet auf einmal mehrere Tage lang hintereinander in Sturzbächen. Viele Flüsse treten in diesen Zeiten über die Ufer und reichern den Boden mit fruchtbarem Schlamm an. Da dieser in den Wohnzimmern der Städter natürlich nicht so fröhlich begrüßt wird wie auf einem Reisfeld, errichten reichere Bürger ihre Häuser in solchen Gebieten auf Stelzen. Da Statik in Ontan ein nahezu unbekannter Begriff ist, sind diese Häuser meist äußerst abenteuerliche Konstruktionen, die jedoch nur in den seltensten Fällen zusammen brechen. Die Götter scheinen ihre schützende Hand über die Ontaner zu halten.


Der Götterglaube

Wie in den meisten anderen Provinzen des Reiches der Tausend Nationen glaubt man auch in Ontan an die Junggötter. Teilweise werden diesen leicht veränderte Aspekte zugewiesen und auch die Form der Verehrung unterscheidet sich zuweilen von den offiziellen Darstellungen der jeweiligen Kirche. Ein Fremder mag sich über die Anbetung Rag’naqs als „der große Wurm“ oder Molindas als „die göttliche Tausenfüßlerin“ wundern, aber am Ende zählt doch nur der wahre Glaube. Tempel sind in Ontan beliebte Versammlungsstätten, in denen neben Andachten und Predigten auch andere gesellschaftliche Anlässe, wie die stets beliebten Flohmärkte, stattfinden.

Sehr großer Beliebtheit erfreut sich auch der Glaube an Voodoo, die kultische Verehrung Q-Bas in Verbindung mit einem ausgeprägten Totenkult. Ursprünglich kam dieser Glaube von den Waldmenschen, für den er oftmals die einzige Religion ist. Seit Jahrhunderten erfreut er sich aber besonders beim einfachen Volk großer Beliebtheit. Die meisten Anhänger verfolgen dabei die weißmagische Prägung (Umbasa), nur in einigen abgelegenen Dörfern wird offen der schwarzmagische Quimbasa-Ritus mit seinen zuweilen grausamen Aspekten geprägt.


Es dampft, es krabbelt, es quiekt – die gute ontanische Küche

Kein Reisender kann von sich behaupten, wirklich in Ontan gewesen zu sein, wenn er nicht wenigstens einmal die berühmte ontanische Küche probiert hat. Bis weit über die Landesgrenzen hinaus ist diese wegen ihrer pikanten Schärfe und besonderen Kreativität in der schmackhaften Zubereitung von vielbeinigen Lebewesen bekannt. Der einheimische Ontaner speist, wenn er sich seine leckere Mahlzeit nicht gerade zuhause zubereitet, in einer der zahlreichen Garküchen, die man überall auf den Straßen jeder noch so kleinen Siedlung findet. Diese Garküchen sind dabei meist kleine Verkaufswagen mit einer eingebauten Feuerstelle und mehreren großen Töpfen. Dies garantiert eine gewisse Mobilität, damit der Koch seine Waren stets dort verkaufen kann, wo sich gerade viele Leute aufhalten. Außerdem erleichtert dies die Flucht vor den sporadisch auftauchenden Gesundheitskontrolleuren und eine spätere Identifikation, falls einem Gast das Essen einmal nicht so gut bekommen sollte.

Was aber bekommt denn nun der hungrige Reisende, wenn er an einer solchen Garküche ein ‚typisch ontanisches Gericht‘ bestellt? Nun, diese Frage ist leicht beantwortet: Er bekommt etliche kleine Schälchen in die Hand gedrückt, in denen sich in verschiedene Saucen eingelegt das befindet, was in Ontan als ‚Dschungelfleisch‘ bezeichnet wird. Der Kreativität des Koches sind hier keine Grenzen gesetzt, am beliebtesten sind allerdings kleine Spinnen, Tausendfüßler, schön fettige Maden oder Würmer in all ihrer Vielfalt. Aus Rücksichtnahme auf ausländische Eßgewohnheiten sind in den letzten Jahren viele Köche dazu übergegangen, die Speisen vor dem Servieren auch zu töten, der Gourmet verputzt sein Essen aber nach wie vor am liebsten lebendig – dies garantiert, dass es auch bei tropischen Temperaturen noch frisch ist.

Garniert ist das Dschungelfleisch meist mit allerlei Gewürzen, die den Speisen ihren eigentlichen Geschmack geben. Viele Pflanzen versuchen durch bunte Warnfarben (Feuerrot, Violett, Pink) Menschen und Tiere davor zu warnen, sie zu verspeisen (nach dem Motto: Iß mich und du mußt sterben.), dem Magen eines Ontaners können sie in der Regel jedoch nichts anhaben. Es wird vor einigen besonders exotischen Chili-Schoten gewarnt, die anderswo höchstens als Reinigungsmittel verwendet werden, einem Ontaner höchstens ein müdes Schulterzucken und die Frage nach einem zusätzlichen Pfefferstreuer abringen. Vielleicht zieht man in Ontan deswegen ja auch robustes Geschirr und Besteck vor, um unnötige Brandlöcher in Tischdecken zu vermeiden. Ungewohnt sind wohl auch die enorm hochgezogenen Ränder des Geschirrs. Diese verhindern, dass das Essen vom Teller entkommt.

Hat man die Hauptmahlzeit verspeist, so erwartet einen meist noch ein leckerer Nachtisch. Besonders beliebt sind die berühmten Pfefferpuddinge, kleine mit Schokolade gefüllte Schlangen oder glasierte Hühnerfüße. Der Ontaner an sich ist eben ein Leckermäulchen.


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