Sommeranfang 2005
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‚Ist Ostern wirklich schon so lange her?‘, dachte sich der fleißige Autor dieser Zeilen, als er wieder einmal auf unserer allseits geschätzten Homepage stöberte und ihm dabei der Text über unseren ‚Ostermarathon‘ ins Auge sprang. Nun, irgendwie schien dieser Bericht sich fest im Augapfel verbissen zu haben und zappelte und zerrte daran, bis euer treuer Berichterstatter endlich nachgab: ‚Da muß ein neuer Bericht her, denn Ostern ist ja wirklich schon recht lange vorbei.‘ Kapitulierend saß ich nun also da, die zahlreichen Ereignisse der vergangenen Wochen rekapitulierend und vor der großen Aufgabe, diese in Worte zu fassen.
Wie also anfangen? Nun, wenn ich an die vergangenen Wochen zurück denke, dann fällt mir sicherlich das eine oder andere Erlebnis ein, welches nicht in Vergessenheit geraten sollte. Gut so. Was dann aber noch viel mehr ins Auge sticht – und die Optik-Fetischisten unter uns sicherlich in höchstes Entzücken versetzt – sind die zahlreichen Bilder, die sich auf der Chipkarte in meinem Fotohandy um den immer enger werdenden Speicherplatz balgen. Das eine oder andere dieser Bilder ist es sicherlich wert, auf dem langen Weg in den Himmel für gelöschte Digitalfotos aufgehalten und dann auf unserer Homepage veröffentlicht zu werden. Nur: Unter welchem Motto? Die Frage, die Bilder einfach kommentarlos ins Internet zu stellen stellte sich erst gar nicht, die Suche nach einem geeigneten Titel fiel aber um so schwerer. In die engere Auswahl kamen:
a) Schräge Leute in komischen Posen
b) Adolf Hitler und die finnische Foto-Love-Story
c) Plump, grobmotorisch und trotzdem Spaß dabei
Aber diese Titel sind irgendwie infantil, oder? Also entschied ich mich für die seriöseste Variante, welche die Ereignisse unter streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten zusammen faßt:
Es begab sich also zu dieser Zeit, als sich die ersten Sonnenstrahlen über der norddeutschen Tiefebene zögerlich hervorwagten und neben zahlreichen Deichen, auf denen wollige Schafe weideten, auch eine artverwandte Spezies mit ihrer Wärme liebkosten. Diese Spezies, verehrter Leser, ist von einer ganz besonderen Gattung. Vielfältig in seinem Erscheinungsbild, scheint sich seine Rassezugehörigkeit vor allem durch seine Verhaltensweisen zu definieren. Verläßt der klassische Rollenspieler seine warme Höhle und blinzelt in die noch zaghaften Sonnenstrahlen, die in seiner Nase kitzeln, so hat er vor allem einen Gedanken: Essen. Ob ein Rollenspieler tatsächlich über 7 Mägen verfügt, hat die Wissenschaft immer noch nicht abschließend geklärt, vereidigte Zeugen berichteten jedoch von gigantischen Mengen an Kalorien, Fetten und Kohlenhydraten, die gelegentlich im Mund eines Rollenspielers verschwinden und dann nie wieder auftauchen.
Diese Kost besteht vor allem aus wertvollen Produkten wie Baguettes, Tiefkühlpizzen oder Croques. Die Tatsache, dass ein lebendiges Wesen sich eigentlich nicht dauerhaft von solchen Sachen ernähren kann, läßt auf ein besonders abgehärtetes Verdauungssystem des gemeinen Rollenspielers schließen, mit welchem er seinem nimmersatten Magen Tribut zollt.
Wie kommen wir nun vom Thema ‚Nimmersatt‘ auf einige Exemplare der Gattung ‚Rollenspieler‘ im speziellen? Ein verdammt harter Übergang... oder vielleicht auch nicht. Wie auch immer: Die Dame auf den ersten beiden Fotos oben ist Julia. Julia ist eigentlich eine ganz Liebe und sieht z.B. in ihrem roten Top im Kaiserkeller (http://www.grossefreiheit36.de/) total niedlich aus. Hier sehen wir Julia an einem der klassischen Lebensräume eines Rollenspielers: Im Down Under (http://www.down-under-hamburg.de/). Es soll ja Zeiten geben, da rottet sich eine ganze Horde von ihnen in dieser gemütlichen Schenke zusammen, um Unmengen von fritierten Hühnchenteilen zu verzehren und das ganze mit eben solchen Mengen an Fruchtsaftmischgetränken herunter zu spülen. Das bringt uns auch gleich zu der zweiten Person auf den nächsten Bildern: Das ist Daniel.
Und ja, bevor ihr fragt: Daniel hat zum Zeitpunkt des Entstehens dieser Bilder bereits zwei der ganz großen Fruchtsäfte getrunken. Und er hat dabei keine nennenswerten Ausfallerscheinungen gezeigt. Die dritte Person auf diesen Fotos ist übrigens Mirco. Mirco ist genau so ein netter Kerl wie er auf dem Bild auch erscheint. Gerüchteweise soll man Angehörige der Mirco-Unterart aus der Gattung der Rollenspieler schon ein wenig in Rage erlebt haben, ich halte dies allerdings für ein Gerücht. Dafür sind sie viel zu friedfertig.
Aber kommen wir zwischendurch mal zu harten Fakten. Auch in diesem Frühsommer war Mirko wieder einmal unsere Allzweckwaffe, wenn es darum ging, einen Meister für ein zünftiges D.S.A.-Abenteuer zu finden. Mirko tut sich dabei vor allem als Spielleiter neuer und alter Kaufabenteuer hervor und hält uns somit stets auf dem aktuellen Stand, was die aktuelle aventurische Geschichtsschreibung angeht. Etwa zu dem Zeitpunkt, den dieser kleine Überblick umfassen soll, schloß Mirko das Abenteuer ‚Drei Millionen Dukaten‘ ab. In diesem begleiten die Helden einen Wagenzug des wahrscheinlich reichsten aventurischen Händlers von Festum in seine neue Heimat Gareth. Dass dieser Wagenzug dabei nicht ganz ungestört über die schlammigen Pisten Weidens rumpeln darf, versteht sich wohl von selbst – dass die Helden aber von Leibwächtern plötzlich zu potentiellen Erben des Stoerrebrandt-Imperiums aufsteigen, war für den einen oder anderen dann doch überraschend. Mit List, Tücke und vor allem viel Spaß konnten wir das Abenteuer aber zu einem versöhnlichen Abschluß bringen. Ein wenig stressiger wurde es da schon bei der nächsten Queste, auf die Mirko uns schickte, nämlich ‚Die letzte Bastion‘. In diesem Band verschlug es eine kleine Gruppe wackerer Streiter in die tiefste Khom, wo wir von einem Sandsturm überrascht wurden. Mehr tot als lebendig fanden wir ein verlassenes Kloster mitten in der Wüste, in dem allerlei merkwürdige Dinge geschahen. Manchmal, da sind Trugbilder eben mehr als einfache Illusionen...
Doch zurück zu unserer putzigen Spezies, den Rollenspielern. Die nächste Bilderserie zeigt einige Angehörige dieser Gattung in ihrem ureigensten Lebensraum: Dem Stadtwerkehaus. Hier tollen sie in regelmäßigen Abständen herum und betreiben seltsame Rituale, die für den Außenstehenden nur schwer zu begreifen sind. Auf unserem ersten Bild sehen wir beispielsweise ein Exemplar der bereits erwähnten Mirko-Unterart. Mirko erschafft gerade neues Leben. Ja, richtig. Während das bei den allermeisten Spezies auf dieser Welt eher eine feuchte (und meist mit Spaß verbundene) Angelegenheit ist, erschafft ein Rollenspieler seinen Nachwuchs mit Zettel, Bleistift, Radiergummi und einigen Regelwerken. Dass dabei so seltsame Sachen wie eine orkische Kurtisane (wie in Mirkos Fall hier) herauskommen, wundert den Laien dann nur wenig. Die anderen Bilder zeigen den großen Daniel in zwei typischen Situationen – zuerst noch motiviert hinter einer kleinen Sichtblende, die ihn vor Fressfeinden oder allzu neugierigen Spielerblicken beschützt. Der kleine Daniel (nächstes Foto) macht einen Vorschlag zur Erlangung der Weltherrschaft mittels Fischbrötchenverkauf - und Daniel reagiert entsprechend darauf (nächstes Bild).
Die letzten Bilder zeigen Carsten, der einer Spielrunde gerade einige wichtige Dinge für ihr weiteres Leben erklärt: Freßt keine verschimmelten Dinge! Hütet euch vor Raubtieren! Und: Für die Steigerung eines A-Talents auf den Wert 5 benötigt man 8 Abenteuerpunkte! Carsten scheint wohl so eine Art Alphatierchen unter den Rollenspielern zu sein, wird er doch unter den anderen nur ehrfurchtsvoll ‚Vorsitzender‘ genannt. Der Ursprung dieser Bezeichnung liegt im Dunkeln, könnte aber in der eigentümlichen Sprache der Rollenspieler so etwas wie ‚Männchen mit wuscheligen Haaren und kariertem Hemd‘ bedeuten. Oder so ähnlich.
Ebenfalls recht häufig auf dem Platz des Spielleiters hatte, oh, meine Leser, euer Autor selbst Platz genommen. Nach drei recht langen Sitzungen hatten wir uns im Juni endlich zusammen gefunden, um das Abenteuer ‚Die Dunkle Halle‘ zu Ende zu spielen. Ich bin ja eigentlich nicht bestrebt, meine Spieler in allzu bedrohliche Situationen zu führen, aber das eine oder andere Mal stand die gesamte Heldengruppe wirklich kurz vor der Auslöschung. Als Beispiel hierfür möchte ich nur einmal einen non-verbalen Konflikt anführen, in welchem die Helden näheren Kontakt zu einer Truppe tobender Fjarninger schlossen, die nicht wirklich gut auf sie zu sprechen waren. Nicht viel kann einen wilden Fjarninger aufhalten – wie auch unsere Helden feststellen mußten. Als sich dann auch noch die Hoffnung der Gruppe, Mirkos Thorwaler, für die anderen überraschend als schmächtiger KK-10-Skalde entpuppte, wäre es mit der Gruppe fast vorbei gewesen. Anders dagegen schon Walters Magier, der ohne mit der Wimper zu zucken einen doch recht üblen Mittel-Endgegner auf 200 Schritt Entfernung in eine Yucca-Palme verwandelte. Der arme Wicht konnte seine beeindruckenden eisgeodischen Fähigkeiten überhaupt nicht einsetzen, wie unfair! Alles in allem war ‚Die Dunkle Halle‘ ein nettes Abenteuer, dessen ‚Deus-ex-machina‘-Ende jedoch den Gesamteindruck ein wenig trübte.
In die Kategorie ‚Spaß‘ fiel dann eher das von mir selbst ausgedachte Abenteuer, welches die Gruppe (wie auch schon zu Ostern) in die bornländische Provinz verschlug. Hier galt es, dem Rätsel um vergiftete Milch auf die Spur zu kommen. Später schloss man noch näheren Kontakt mit der ‚Mutter aller Maden‘, die bei dem einen oder anderen zarteren Gemüt doch ein gewisses Gefühl des Ekels auslöste. Für Lacher gut waren stattdessen die Streitgespräche der eineiigen Zwillinge Svea und Lillemor (Namensgleichheiten mit Vereinsmitgliedern sind vollkommen zufällig), welche sich bevorzugt über... äh... Gesäßformen in der Wolle hatten. Wer jetzt an Dialoge wie „Alrik mag dich nicht, weil du einen fetten Arsch hast!“ – „Habe ich nicht!“ denkt, der liegt vollkommen richtig.
Und wieder einmal ist es Zeit für einige Fotos unserer kleinen und putzigen Rollenspieler. Das Highlight habe ich mir natürlich bis zum Schluß aufgespart. Es soll ihnen, verehrter Leser, zeigen, dass das Leben der Rollenspieler bei aller Beschaulichkeit nicht nur aus Herumtollen, lustigen Spielen und allerlei Schabernack besteht. Nein, auch im Leben dieser brav-naiven Gattung gibt es böse Intrigenspiele, linkische Verstrickungen und gemeine Hinterhalte. Und animalischen Sex. Ja, vor allem animalischen Sex.
| Betrachten wir doch einmal diese beiden Exemplare ihrer Spezies. Wie wir erkennen, hat sich das Männchen (links) dem Weibchen (rechts) bereits ein wenig genähert. Wenn sie die Mienen dieser Rollenspieler näher betrachten, so fällt ihnen sicherlich die erotische Grundstimmung der beiden auf. Hier ist Balz angesagt! | |
| Hier sind die beiden sich schon ein wenig näher gekommen. Schüchtern, aber mit der gesamten Ausdruckskraft ihrer Libido signalisieren beide deutlich: Ich mag dich. Gibt es etwas schöneres, als zwei derartige Prachtexemplare in einem Moment höchstes Glückes beobachten zu dürfen? | |
| Das Männchen wirft hier alles in eine Waagschale und präsentiert sein strahlendstes Lächeln. Die liebevoll nach oben gezogenen Mundwinkel bilden eine einzige Geste der Freundlichkeit, verbunden mit viel Herz und Emotionalität. | |
| Das Weibchen reagiert ebenfalls mit höchster Entzückung und signalisiert somit seine Paarungsbereitschaft. In Gedanken sammelt sie wohl bereits Grashalme und kleine Stöckchen, um ein gemeinsames Nest zu bauen, in welchem man die zu erwartenden Nachwuchs-Rollenspieler großziehen kann. |
Aber im Hintergrund lauert schon die Konkurrenz. Drei Männchen haben Witterung aufgenommen und kreisen neugierig um das Geschehen. Von links nach rechts erkennen wir:
- Torben, der nach außen hin den Gelassenen gibt, innerlich aber sicherlich brodelt.
- Heiko, der mit seinem Heiligenschein schon so manches Weibchen beeindrucken konnte. Außerdem ist das Ding ganz praktisch, wenn man abends im Bett noch lesen will.
- Dies ist Myyrco [Name aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert], der enttäuschte finnische Ex-Lover des Weibchens. Myyrco versteht nicht, warum er zurück gewiesen wurde. Trotzdem versucht er es mit einem netten Lächeln.
Es kommt, wie es kommen muß: Man beschließt einen munteren Rudelbums. Das Weibchen der Lilli-Spezies freut sich schon sichtlich darauf, wie auch alle anwesenden Männchen. Aber was ist das? Im Hintergrund hat sich ein Daniel-Männchen heimlich in die Gruppe eingeschlichen. Adolf Hitler (erkennbar an dem Schatten/Bärtchen unter der Nase) hat sich derweil den Platz hinter Daniels Sichtschutz erobert und freut sich. Faselte irgend etwas von „Eroberung neuen Lebensrrraumes“ und so. Das wird dem Lilli-Weibchen zu bunt. Mit einigen gekonnten Karate-Aktionen vertreibt sie ihre Verehrer. Wer mal den Film ‚Karate Kid‘ gesehen hat, der weiß, wie das etwa ausgesehen hat.
An dieser Stelle endet dann meine kleine Retrospektive über einige der Geschehnisse in diesem Frühsommer auch schon. Beachtet bitte: Dieser Bericht ist Nonsens. Er will lediglich auf billige Art und Weise unterhalten, voller Effekthascherei und plakativen Schlagwörtern. Man sollte diesen Text also nicht allzu ernst nehmen. Auf den Fotos mag vielleicht bei Außenstehender der Eindruck entstehen, wir seien irgendwie... komisch. Das stimmt aber nicht. Die abgebildeten Leute gucken nicht immer so 'schwedisch' und die dargestellte Love Story hat sich natürlich so nie abgespielt - Adolf Hitler ist nämlich gar nicht bei uns im Verein.*
Sven
* Zumindest nicht mehr, nachdem er uns seit 1945 einen Haufen Mitgliedsbeiträge schuldig blieb.
